Was bedeutet „digitale Transformation“, und wie findet sie im Bereich der Lebensmittelsicherheit Anwendung?

Dezember 15, 2020

Eine Blog-Serie Die digitale Transformation in der Lebensmittelsicherheit

Teil 1: Was bedeutet „digitale Transformation“, und wie findet sie im Bereich der Lebensmittelsicherheit Anwendung?

Möglicherweise haben einige der Leser dieses Blogs schon erste Schritte bei der Digitalisierung ihrer Programme zur Lebensmittelsicherheit in Angriff genommen. Oder Sie haben immer noch mit Ringordnern voller Berichte und manuell aktualisierten Tabellenblättern zu kämpfen. Egal wo Sie sich befinden – ich hoffe, dass diese Blog-Serie dazu beiträgt, neue Denkansätze und Ideen zu beflügeln, wie unsere Branche und die Berufe in der Lebensmittelsicherheit von Erkenntnissen anderer Branchen profitieren können, die diese auf ihrem Weg durch die digitale Transformation gewonnen haben.

Solche Erfahrungen werden Thema weiterer Beiträge sein. In diesem Blogbeitrag geht es einfach darum, wie man „digitale Transformation“ definiert. Das ist gerade jetzt von Bedeutung, wenn wir die Fortschritte sehen, die innerhalb der Lebensmittelsicherheit in Richtung einer digitalen Zukunft gemacht werden. Neue Initiativen, wie der „Blueprint for a New Era of Smarter Food Safety“ (Rahmen für eine neue Ära einer smarteren Lebensmittelsicherheit) der FDA, zeigen den Weg auf zu wachsenden Erwartungen, Regeln und letztendlich Aufträgen für eine digitalisiertere Funktion der Lebensmittelsicherheit. Es ist daher unbedingt erforderlich, dass wir zu einem gemeinsamen Verständnis darüber gelangen, was dies für unsere Branche, unseren Beruf bedeutet und welche Veränderungen wir erleben werden.

An der ersten Station in dieser Serie werden wir den Begriff „digitale Transformation“ definieren. Das ist übrigens ein Hype-Begriff ... das heißt, er ist aus den gut bezahlten Marketingbotschaften der Beratungs- und Technologiefirmen entstanden, die die Unternehmen bei der digitalen Umwandlung ihres Geschäfts unterstützen wollen. Ich werde versuchen, mich von diesem Hype fern zu halten und mich auf einige praktische Definitionen zu konzentrieren.

Für den Laien und vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen – was bedeutet „digitale Transformation“?

Wenn wir mit anderen Worten das ausdrücken, was wir in Wikipedia (das Schwarmwissen über alle Dinge) finden, bezieht sich digitale Transformation auf:

„... die Umwandlung von Nicht-Digitalem zu Digitalem (ganz offensichtlich), und dabei ... das ermöglichen, was zur Lösung von Problemen digital gemacht wird.“

HINWEIS: Der Artikel in Wikipedia geht hinsichtlich der verschiedenen Arten der Transformation weiter ins Detail – er bezieht sich auf die Transformationen zu digitalisierten Informationen, Branchen, Unternehmen und Gesellschaften (siehe den Wikipedia-Artikel hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Digital_transformation).

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin mit dieser Definition nicht einmal annähernd zufrieden.

Ich finde es hilfreich, zu sehen, was einer der weltweit führenden Impulsgeber der digitalen Transformation zu sagen hat. Wenn Ihnen Salesforce.com nicht vertraut ist, möchte ich deren Einfluss auf die Digitalisierung von Unternehmensfunktionen zusammenfassend kurz erläutern: Sie haben die Arbeitsweise von Vertriebs-, Marketing- und Kundendienstfachleuten komplett umgewandelt. Sie haben das Management von Kundenbeziehungen oder CRM (Customer Relationship Management) digital verändert. Was sie dazu zu sagen haben (https://www.salesforce.com/products/platform/what-is-digital-transformation/), macht meiner Meinung nach reichlich Sinn: Die digitale Transformation dient einem wichtigen Zweck:

„Schaffung neuer – oder Modifizierung bestehender – Unternehmensprozesse, Kultur und Kundenerfahrungen, um mit den sich ändernden Geschäfts- und Marktanforderungen Schritt zu halten“.

Das hilft schon weiter. Wenn wir diese beiden Definitionen von Wikipedia und Salesforce.com zusammenfügen, können wir uns dann vorhandene Unternehmensprozesse vorstellen, die manuell ablaufen und verbessert werden könnten und sogar einen Kulturwandel verursachen würden, wenn sie digital ablaufen?

Das CIO-Magazin stellt in einem kürzlich erschienenen Artikel ähnliche Gedanken dar (https://www.cio.com/article/3211428/what-is-digital-transformation-a-necessary-disruption.html) und ergänzt die folgende Idee:

„Was ist digitale Transformation? Ein notwendiger Bruch.“

Keiner mag Brüche, aber wenn sie notwendig sind... was bedeutet das? Häufig ist es der Kunde, der eine Änderung und einen Umbruch vorantreibt. Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen wir oftmals das, was wir tun, ändern. Sonst wird dies jemand anders tun, und wir bleiben auf der Strecke. Wenn Ihre Konkurrenten Bereiche ihres Unternehmens digitalisieren, um die Kundennachfrage zu befriedigen, werden sie dann einen Vorteil gewinnen? Werden die Kunden beginnen, mehr Transparenz Ihres Lebensmittelsicherheitsprogramms zu erwarten, wenn sie dies woanders bekommen? Ist die digitale Transformation daher ein „notwendiger Bruch“?

Hier ist ein weiterer Gedankengang. Ein kombinierter akademischer und unternehmerischer Ansatz zur digitalen Transformation kommt von der Harvard Business Review (https://hbr.org/2019/03/digital-transformation-is-not-about-technology). Sie führten im vergangenen Jahr eine Umfrage unter Wirtschaftsführern durch und stellten fest, dass es bei der digitalen Transformation „NICHT um die Technologie geht“. Halt... was?!? Das ist richtig... sie haben gelernt, dass eine Vielzahl digitaler Transformationsmaßnahmen fehlgeschlagen sind, und die Gründe für das Fehlschlagen waren nicht mit der eingesetzten Technologie verbunden. Warum sind sie aber fehlgeschlagen?

Es hat sich gezeigt, dass es bei erfolgreichen digitalen Transformationen tatsächlich um organisatorische Veränderungen geht, die bewirkt werden müssen. Kulturwandel, Prozessänderung, Sprachveränderung. Aber... wir mögen keine Veränderungen. Dennoch wissen wir, dass wir uns der Herausforderung stellen und unsere Kultur wandeln müssen, so dass diese einen digitalen Ansatz begrüßt... das kann bedeuten, dass wir auch unsere Handlungsweise und die Terminologie, die wir gemeinsam nutzen, ändern müssen. Solche Veränderungen hat es bei Unternehmensfunktionen auf jeder Ebene schon immer gegeben (erinnern Sie sich noch an die manuellen Spesenabrechnungen?).

Nun, was hat das mit der Definition der digitalen Transformation für die Lebensmittelsicherheit zu tun?

Wenn wir alles Vorgenannte berücksichtigen, finden wir meiner Meinung nach eine Definition, die für die Berufe der Lebensmittelsicherheit geeignet ist... und nach den vielen Jahren, die ich Unternehmen auf diesem Weg unterstützt habe (siehe nachfolgende Biografie), scheint mir das wahr zu sein:

  • Erstens… Die digitale Transformation ist nichts, was einfach passiert und das war‘s. Das war in keiner Branche bisher der Fall, wie wir in weiteren Beiträgen dieser Serie noch sehen werden. Es handelt sich um einen iterativen Prozess und einen notwendigen Bruch, häufig durch die Kundennachfrage bestimmt.
  • Zweitens… es ist ein Zielkonflikt. Was heißt das? Bei jedem manuellen Prozess, den Sie in einen digitalen Prozess umwandeln, gibt es einen Zielkonflikt zwischen den Fähigkeiten, die für den alten Weg erforderlich sind, und denen für den neuen Weg. Das ist Teil sowohl des kulturellen Wandels als auch der Prozessveränderungen, die identifiziert werden müssen (wie in der Umfrage der Harvard Business Review offensichtlich wird).

Zum Beispiel musste ich die diagnostischen Ergebnisse meines Probenahmeprogramms, die mir vom Labor übermittelt wurden, früher manuell eingeben (Wie wurden diese übermittelt? Per PDF/CoA scheint die häufigste Methode zu sein), dann musste ich sie in mein Tabellenblatt eintragen, um eine Pivot-Tabelle zu erstellen, so dass ich Management-Berichte erstellen konnte, damit die Führungskräfte Entscheidungen fällen konnten... kommt Ihnen das bekannt vor?

Stellen Sie sich vor – jetzt werden die Berichte bereits automatisch erstellt, wenn die Labordaten elektronisch in ein digitalisiertes System eingespeist werden. Was machen Sie mit der ganzen Zeit, die Sie vorher für Tabellenblätter und Pivot-Tabellen aufwenden mussten? Nun ich hoffe, dass der ZIELKONFLIKT es Ihnen ermöglichen wird, Ihre wissenschaftliche Ausbildung und Ihren Hintergrund statt für die manuelle Erfassung und Formatierung der Daten nun für die Analyse der Daten und stärkere Konzentration auf neue Innovationen, Abhilfemaßnahmen, investigative Tests, Analyse der Grundursachen und Ähnliches zu nutzen.

Sie können erkennen, dass es einen Zielkonflikt zwischen einem neuen Ansatz und den Prozessen in Verbindung mit Ihrer Arbeitsweise gibt. Ihr Prozess, die Sprache, die Sie verwenden, und die Art und Weise, wie Sie Ihre Zeit verbringen, würden sich verändern. Digital verändern.

Okay... das war‘s erst mal für diesen Beitrag, dem ersten einer Serie zur digitalen Transformation in der Lebensmittelsicherheit. Ich hoffe, ich konnte das Verständnis dafür wecken, was digitale Transformation bedeutet, und vielleicht genauer erläutern, wie man in unserer Welt der Lebensmittelsicherheit und unserer Arbeitsweise darüber denkt.

Bleiben Sie dran, in den nächsten Beiträgen werden wir darüber sprechen, wie andere Branchen ihre eigenen digitalen Transformationen durchlaufen haben und welche Schlussfolgerungen daraus wir auf unseren Beruf anwenden können.

Über David Hatch (über mich):

Ich beschäftige mich schon sehr lange in irgendeiner Weise mit der digitalen Transformation. Ich hatte das Glück, meine berufliche Karriere genau zu der Zeit zu beginnen, als sich das Internet aus der Welt der Regierung und des Militärs für den Bereich der kommerziellen Nutzung geöffnet hat. Bei meinem ersten Projekt ging es um eine Medien-Aufgabe – die Umwandlung der Videoinhalte des Boston Red Sox-Baseballteams und des Bruins-Hockeyteams von einem analogen zu einem digitalen Medium. Das ermöglichte es dem Eigentümer des Inhalts erstmals, digital auf das Medium zuzugreifen, zu suchen und genau das Video zu finden, das er brauchte, um bestimmte neue Geschäftsgelegenheiten zu ergreifen. Diese Erfahrung, deren Ergebnis der Aufbau eines Unternehmens zur Lizenzierung von Videoinhalten war, führte mich zu verschiedenen Projekten und Funktionen in einer Vielzahl von Branchen, so u. a. Banken, Verlagswesen, Gesundheitswesen sowie Nahrungsmittel und Getränke. Ich habe jetzt festgestellt, dass ich meine gesamte berufliche Laufbahn damit verbracht habe, an einer Herausforderung zu arbeiten: Wie nutzt ein Unternehmen die Technologie und seine digitalen Vermögenswerte, Daten und Analytik, um bessere, fundiertere Entscheidungen zu treffen, die das Unternehmen verbessern, den Kundenbedürfnissen entsprechen und zu den gewünschten Ergebnissen und Zielen führen.

Über Corvium (mein Unternehmen):

Corvium unterstützt die digitale Transformation von Lebensmittelsicherheitsprogrammen durch Automatisierung und Bereitstellung einer einheitlichen Datenplattform für die Umgebungsüberwachung, für Produkttests, Hygienearbeitsabläufe sowie die Nachverfolgung und Warnung hinsichtlich Konformität und Compliance. Wir beschäftigen uns mit den Herausforderungen, vor denen Lebensmittellieferanten stehen, wenn es darum geht, den Sprung von Prozessen in Papierform oder manuellen Tabellenblättern zu einer völlig digitalisierten, datengestützten Funktion zu schaffen.

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Kategorie: Food Safety